“I am the cry, who will give voice to me?”

titel
Retrospektive des Künstlers Dia al-Azzawi in Doha, Katar

Poesie und folkloristische Motive aus dem antiken und heutigen Irak sowie der arabischen Welt prägen die Werke von Dia al-Azzawi. Zwei Museen in Doha zeigen noch bis zum April 2017 eine umfangreiche und sehenswerte Retrospektive des international bekannten irakischen Künstlers. ‚From 1963 until Tomorrow‘ – über 350 seiner Kunstwerke sind aktuell im Arab Museum of Modern Art und in der QM Gallery AlRiwaq zu besichtigen.
Der Titel der Ausstellung ‚I am the cry, who will give voice to me‘ bezieht sich auf ein Gedicht des Poeten Fadhil al-Azzawi, zu dem Dia al-Azzawi in den Jahren 1974-75 eine Bilderreihe in Gouache auf Papier gestaltet hat. Hier sieht man, umgeben von dunklen, strengen Flächen, einen Kopf oder Teil eines Menschen, der seinen Mund wie zu einem Schrei geöffnet hat. Diese Bilder beziehen sich auch auf seine eigenen Erfahrungen, die er als Reservist 1973 im kurdischen Krieg erleben musste.

Die große Vielfalt an künstlerischen Techniken und seine einzigartige Bildsprache haben mich persönlich besonders beeindruckt. Seine detailreichen, schwarz-weißen Zeichnungen, die farbigen Buchmalereien, abstrakte Skulpturen aus verschiedensten Materialien oder die überdimensionalen Wandgemälde zeugen von einer unglaublichen Kreativität. Gleichzeitig kann man in dieser zweiteiligen Ausstellung sehr gut seine künstlerische Entwicklung verfolgen und erleben, wie politische und soziale Themen über die Zeit hinweg seine Arbeit beeinflusst haben.

Dia al-Azzawi wurde 1939 im Irak geboren. Als sozial und politisch engagierter Künstler fokussiert sich seine Kunst vorwiegend auf das Leiden des arabischen Volkes, das durch Unterdrückung und Krieg geprägt ist. Sein frühes Werk thematisiert die Verbindung von Schrift und Bild, indem er arabische Poesie oder mythologische Themen illustriert. 1976 emigrierte al-Azzawi nach London. Hier veränderte sich der Stil seiner Kunst und er wendete sich einer abstrakteren Formensprache zu. Er begann außerdem mit 3-dimensionalen Kompositionen aus Holz, Keramik, Terrakotta oder Polyester zu experimentieren. Nach 15 Jahren im Exil, in den 90er Jahren, veränderte sich seine Kunst wiederum, indem er sich wieder mehr auf die Themen der arabischen Welt zurückbesann. Er verbrachte Zeit in Marokko und Katar und ließ sich dort von kulturellen Motiven inspirieren. Heute lebt er in London und Doha.

Arab Museum of Modern Art
Qatar Museums Gallery Al Riwaq

Zusatz vom 14.11.16: Die Meem Gallery in Dubai stellt aktuell auch ein übergroßes Monumentalwerk von Dia Azzawi aus: ‚My Broken Dream‘. (Bis zum 10.1.17)

Meem Gallery Dubai

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